DAZ - Deutsch als Zweitsprache

Intensivklassen

An unserer Schule gab es schon sehr lange eine Intensivklasse für die sogenannten Seiteneinsteiger. So nennt man Schüler, die aus unterschiedlichsten Gründen vom Ausland nach Deutschland gekommen sind und hier erst beginnen, die deutsche Sprache zu erlernen. Bis vor 2 bis 3 Jahren waren diese Schülerzahlen nicht sehr hoch, so dass der Standort Sophie-Scholl-Schule ausreichte, um die Schüler aus dem Einzugsbereich Hattersheim-Flörsheim-Hochheim aufzunehmen. Die Schüler kamen größtenteils aus europäischen Ländern, aus Polen, Russland, Rumänien, aber auch aus Spanien, Italien und Griechenland. Der Unterricht in einer solchen Intensivklasse unterscheidet sich sehr vom allgemeinen Unterricht in einer Regelklasse und das hat mehrere Gründe: Erstens kommen die Schüler ja nicht automatisch alle zum Schuljahresbeginn, d.h. immer wieder verändert sich das Klassengebilde, zweitens unterscheiden sich die Schüler stark bezüglich Alter, Herkunftssprache und Lernvoraussetzungen. Die Zusammensetzung ist sehr heterogen. Dies macht es für die Klassenlehrerin extrem schwer, denn sie muss bei der Anleitung der Schüler stark differenzieren und auch eigenständiges Lernen initiieren.

Seit Herbst 2015 stieg die Zahl der Schüler stark an. Mit den neuen Schülern aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und anderen Ländern konnten wir im Februar 2016 eine zweite Intensivklasse eröffnen. Für den DAZ-Unterricht bedeutet diese veränderte Zusammensetzung der Klasse eine große Herausforderung, denn zu den bekannten „Sprachlernhürden“ kamen noch andere, sonst eher unbekannte Aufgaben hinzu: Wir unterrichten zum Teil Schüler, die unsere Buchstaben nicht kennen, d.h. in unserem Schriftsystem nicht alphabetisiert waren und wir haben Schüler in den Intensivklassen, die längere Zeit aufgrund von Kriegsgeschehnissen überhaupt nicht in die Schule gehen konnten, oder aber solche, die von schweren Erlebnissen traumatisiert sind. Darüber hinaus hatten und haben viele unserer Schüler auch unter Wohnverhältnissen zu leiden, d.h. sie finden in den beengten Unterkünften keinen Platz für die Erledigung von Hausaufgaben, aber auch keinen Platz um zu spielen oder sich auszuruhen.
Viele Schüler kannten aus ihren Heimatländern nur Frontalunterricht, manche auch Unterricht, bei dem auf ein Fehlverhalten Schläge folgten. Die Schüler mussten hier also auch andere schulische Sozialformen lernen und verstehen, dass trotz geringerer Disziplinarstrafen an unseren Schulen der respektvolle Umgang miteinander allen sehr wichtig ist.

Für unsere Schule erfordern diese neuen Gegebenheiten ein Umdenken, gleichzeitig sind die Herausforderungen aber für alle Schüler der Schulgemeinschaft Chance und Gewinn zugleich. Wir fordern und fördern Integration und Inklusion von allen. Am Lernort Schule können wir alle – Lehrer und Schüler – gestaltend mitwirken, wenn wir uns in der Begegnung stets unserer Verantwortung bewusst sind. So sind wir zum Beispiel alle Sprachvorbilder für die neuen Schüler und können helfen, dass das Erlernen der deutschen Sprache Spaß macht und gelingt.

Momentan haben wir zwei Intensivklassen, in denen täglich die Grundlagen der deutschen Sprache erlernt werden. Das heißt vor allem Sprechen und (Hör)verstehen, Lesen und Schreiben. Gemeinsames Singen und Spielen, aber auch Ausflüge schaffen eine schöne Gemeinschaft, in der alle bemüht sind, dass jeder Schüler sich angenommen und gefördert fühlt, egal, ob Junge oder Mädchen, egal, aus welchem Herkunftsland oder mit welcher Religion die Schüler zu uns kommen.

Nach einigen Monaten der Eingewöhnungszeit und dem Erlernen der ersten notwendigen Grundlagen der deutschen Sprache dürfen die Schüler dann zunächst stundenweise in eine Regelklasse gehen. Viele der Neuankömmlinge freuen sich darauf, dann endlich ihre neu erworbenen Sprachkenntnisse mit Gleichaltrigen anwenden zu können. Gerade die Schüler der aufnehmenden Klasse helfen dann entscheidend mit, dass die Schüler sich willkommen fühlen und mit vielen positiven Erfahrungen ihr weiteres Schulleben ermutigt bestreiten können.

Die Klassenlehrerinnen der beiden Intensivklassen sind in diesem Schuljahr Frau Lutz und Frau Lang.

Aufbaukurse

Der Spracherwerbsprozess ist nach den 1 bis 2 Jahren in der Intensivklasse noch nicht abgeschlossen. Auch später in der Regelklasse benötigen die ehemaligen Seiteneinsteiger weiterhin speziellen DAZ-Unterricht, damit in vielerlei Hinsicht Hilfestellung gegeben werden kann. Ziel der weiteren Sprachförderung ist es, jedem Schüler einen möglichst guten Schulabschluss zu ermöglichen, durch den dann der Übergang in eine Ausbildung oder in eine weiterführende Schule gut gelingt.

Um diese Ziele erreichen zu können, werden im Aufbaukurs komplexere Satzstrukturen erlernt, auch, um die wichtige Lesekompetenz zu verbessern. Ein weiterer Übungsschwerpunkt ist die eigene Textproduktion. Darüber hinaus wird im Aufbaukurs auch die richtige Artikulation geübt, um immer mehr Sicherheit zu bekommen, lange Texte gut und verständlich vorzulesen.

Schließlich müssen die Schüler sehr schnell ihren Wortschatz erweitern. Täglich begegnen ihnen jetzt Ausdrücke und Wörter, die sie noch nie gehört haben. So haben sie im Aufbaukurs bei kleinerer Gruppengröße die Gelegenheit, nachzufragen, aber auch selbst mit Unterstützung der Lehrkraft auf Wortschatz-Entdeckungsreise zu gehen.

In diesem Schuljahr werden die einzelnen Aufbaukurse, die für die einzelnen Schüler mindestens 4-stündig pro Woche sind, von Frau Haase, Frau Lutz, Frau Mohr und Frau Steinbach geleitet.